Was ist die Beizjagd

Unter Falknerei oder Beizjagd versteht man die Jagd auf wildlebende Tiere mit Hilfe eines abgetragenen, also abgerichteten Beizvogels.

Falkner verzichten, anders als der normale Jäger, auf den Einsatz von Schusswaffen. Sie stellen die natürlichen Verhaltensweisen, Kräfte und Fähigkeiten eines Beizvogels in ihren Dienst. Gewissermaßen ist somit dem Wild, auf das gejagd wird, absolute Chancengleichheit gewährt.

Im natürlichen Spiel der Kräfte und Fähigkeiten von jagendem Greifvogel und gejagtem Beutetier ist der Erfolg für beide Seiten absolut offen. Damit ist die Beizjagd auch eine besonders ökologische Jagdform. Vor allem, weil sie lautlos durchgeführt, aber auch selektiv ist. Bemerkenswert ist natürlich auch, dass bei einer nicht erfolgreichen Jagd ein Beutetier unverletzt entkommt.

Beizjagd heute

Anders, als in der ursprünglichen Falknerei, muß die moderne Falknerei mit Greifvogelhaltung in Verbindung gebracht werden.

So lange man mit Greifvögeln jagt, also seit ca. 4.000 Jahren, ist man immer gleich vorgegangen, wie man heute auch noch in asiatischen Kulturen beobachten kann. Der Falkner hat einen jungen Greifvogel gefangen, ihn abgetragen, also abgerichtet, mehrere Monate oder sogar Jahre mit ihm gejagt, um ihn dann wieder frei zu lassen, also seiner natürlichen Bestimmung zurück zu geben.

Mit dem extremen Einsatz von Pestiziden, wie beispielsweise DDT, in Land- und Forstwirtschaft, gingen die Greifvögelbestände stark zurück. Als Endglieder der Nahrungskette, so genannte Akkumulationsindikatoren, reicherten sie Schadstoffe in ihrem Körper an, konnten sich nicht mehr fortpflanzen oder starben sogar. Eine Entnahme aus der Natur war nicht mehr vertretbar.

So begannen vor ca. 40-50 Jahren weltweit Zuchtversuche, die heute in hohem Maße erfolgreich sind. Diese erfolgreichen Züchtungen sind überhaupt erst Grundlage zur Rückbürgerung bedrohter Greifvogelarten in die Natur.

„Falknerei zu betreiben“ heißt mit Greifvögeln zu jagen – „Falkner zu sein“ heißt Greifvögel zu verstehen

Roman Wüst

Falknerausbildung Roman Wüst

Falknerei wird nicht aufgrund einer sozialen Gefügestellung oder sozialen Abhängigkeit des Greifvogels betrieben. Der Greifvogel, gehorcht dem Falkner nicht, weil er in ihm, ähnlich wie ein Hund, den Rudelführer sieht. Falknerei basiert viel mehr in hohem Maße auf Vertrauen. Der Greifvogel ist gewohnt, dass auf der Faust des Falkners Sicherheit für ihn gegeben ist. Auf der Faust des Falkners findet er Ruhe und Atzung (Futter). Von der Faust des Falkners hat er Jagderfolg.

Nur im harmonischen und nicht erpressten Zusammenspiel von Greifvogel, Hund und Falkner, ist das eigentliche Ziel der Falknerei begründet. Falknerei hat somit auch überhaupt nichts mit hungern lassen oder Willensbrechung des Vogels zu tun.

Die moderne Praxis des Abtragens folgt dem Prinzip der operanten Konditionierung, also dem Lernen am Erfolg. Ein Greifvogel wird durch sehr konsequentes Belohnen und Nichtbelohnen zu den gewünschten Handlungen oder Verhaltensweisen motiviert. Das Prinzip der Bestrafung gibt es nicht. Gleichzeitig darf nie das zum Falkner aufgebaute Vertrauen gebrochen werden.

Die wichtigste Motivationsgrundlage in der Falknerei und eigentlich einzige Möglichkeit mit dem Greifvogel zu kommunizieren, ist die Atzung, also die Nahrung des Greifvogels. Anders als bei Pferd oder Hund ist die direkte Einflussnahme durch Körperkontakt oder eine laute Stimme nicht möglich.

Dies bedeutet, dass eine gewünschte Verhaltensweise, z.B. zur Faust des Falkners zu kommen, belohnt wird. Eine nicht gewünschte Verhaltensweise, z.B. sich vom Falkner zu entfernen, wird eben nicht belohnt. Die regelmäßige Wiederholung, vor allem aber das konsequente Verhalten des Falkners, führen dazu, dass der Greifvogel die gewünschten Verhaltensweisen gerne und mit Freude durchführt, während er die unerwünschten Verhaltensweisen unterlässt.

Grundlage des Abtragens ist also die immer wieder durchgeführte Verknüpfung der Belohnung (Atzung) mit der gewünschten Handlung.

Eine hohe Bedeutung beim Prinzip der operanten Konditionierung haben positive und negative Verstärker.

Mit der operanten Konditionierung, also dem Lernen am Erfolg, ist in hohem Maße das konsequente, also immer gleiche Verhalten des Falkners verbunden, welches beim Greifvogel ebenso gleiches, berechenbares Verhalten hervorruft.

Roman Wüst

Falknerausbildung Roman Wüst

Positive Verstärker werden dann durch weitere sekundäre Signale unterstützt. Ein Beispiel für ein solches positives Signal wäre der Gebrauch des Federspiels. Das Federspiel, ein Lederpaket, das mit den Flügeln der späteren Beute versehen wird, wird in vielen Literaturstellen als Beuteattrappe beschrieben.

Die operante Konditionierung aber sieht das Federspiel als sekundäres Signal der positiven Verstärker. Der sekundäre Reiz des sich drehenden Federspiels, wird immer wieder mit dem positiven Verstärker Atzung verknüpft. Der Beizvogel also assoziiert die Bewegung des Federspiels mit dem Herankommen zum Falkner und der folgenden Belohnung, also der Atzung.

Auch der mit dem Falkner und dem Greifvogel zusammenarbeitende Vogelhund stellt einen solchen sekundären Reiz zum positiven Verstärker dar. Der Falke assoziiert mit dem vorstehenden, also dem Wild anzeigenden Hund, dass jetzt Wild zu erwarten ist, das für den Greifvogel Beute und somit Futter bedeutet.

Erfolgreich zur Beizjagd

Mit der operanten Konditionierung, also dem Lernen am Erfolg, ist in hohem Maße das konsequente, also immer gleiche Verhalten des Falkners verbunden, welches beim Greifvogel ebenso gleiches, berechenbares Verhalten hervorruft.

Deshalb ist es für den Falkner unabdingbar, sein Handeln vorauszuplanen, das Verhalten des Vogels abzuschätzen und auf die gewünschte Verhaltensweise einzustellen. Der erfahrene Falkner reagiert nicht, er ist Akteur und überlässt nichts dem Zufall.