Geschichte der Falknerei

Der älteste gesicherte Hinweis auf die Falknerei ist ein syrisches Rollensiegel aus dem 13. Jahrhundert v. Chr., was bedeutet, dass die Anfänge der Falknerei mindestens im 2. Jahrtausend v. Chr. liegen.

Auch ist es wahrscheinlich, dass die nomadischen Reitervölker Zentralasiens Falknerei als Erste betrieben haben. In der Mitte des letzten vorchristlichen Jahrhunderts verbreitete sich die Falknerei, ausgehend von einer Frühentwicklung in Persien, nach Osten und Westen. In diesem Zeitpunkt erreichte die Falknerei auch Japan, Korea und China.

Die Hochkulturen der Griechen und Römer beachteten die Falknerei nicht.

Nach Europa kam die Falknerei im 4. Jahrhundert mit der Völkerwanderung. Ausschlaggebend für die Verbreitung in Europa war der Kontakt der Sarmanten (antikes iranisches Reitervolk aus dem Schwarzmeerraum) mit den Ostgoten und anschließend die Germanenzüge, auf deren Folge die Beizjagd bis nach Spanien und Nordafrika kam.

Während die Falknerei bisher vor allem betrieben wurde um Fleisch zur Ernährung zu erbeuten, ergibt sich nun ein Wandel der Ideologie. Beizjagd ist zum Sinnbild der Macht geworden, demonstriert Herrschaft und Reichtum. Falknerei als Standessymbol wird sogar in den germanischen Volksrechten in der Mitte des 1. Jahrtausend institutionell geregelt.

Adel und Klerus brachten nun die Falknerei im frühen Mittelalter zu einer herausragenden Stellung. Beispiel dafür ist die Ausbildung vieler Adligen in der Kunst der Falknerei. Obwohl Karl der Große (768 – 814) keine Emotion für die Beizjagd hatte, war Falknerei ein Hauptfach in der Erziehung seines Sohnes.

Zu Beginn des 2. Jahrtausend schlief das Interesse an der Falknerei ein, um dann zur Zeit der Kreuzzüge erneut aufzuflammen.

Erheblichen Anteil an der Zunahme der Bedeutung der Falknerei in Europa hatte in dieser Zeit Friedrich II von Hohenstauffen. Er war leidenschaftlicher Falkner und begeisterter Wissenschaftler im Sinne eines modernen Denkens. In einer Zeit, in der die Menschen an Hexen und gehörnte Teufel glaubten, in der der Aberglaube dominierte, verfasste er sein monumentales Buch „de arte venandi cum avibus“, „Über die Kunst mit Vögeln zu jagen“. Diese Kunst mit Greifvögeln zu jagen war für Friedrich den Zweiten in dreierlei Hinsicht eine wahre Herausforderung:

  • Ein Wesen zu führen, was freier nicht sein kann.
  • Ein Wesen zu führen, was den Falkner allenfalls nützlich findet, aber keine Abhängigkeit aufbaut.
  • Ein Wesen in seiner Gesamtheit zu begreifen und zu einem gewissen Erfolg zu führen.

Friedrich II verglich die Falknerei aufgrund der dafür benötigten Kombination aus Willenskraft und Fürsorge mit Menschenführung. Der ideale Falkner war für ihn der ideale Herrscher. Darüber hinaus aber war Friedrich II bereit Verbesserungen anzuerkennen und positive Veränderungen zu unterstützen. So brachte er beispielsweise die Falkenhaube, die er durch den Kontakt zur arabischen Falknertradition während des dritten Kreuzzuges kennen lernte, nach Europa.

„Falknerei zu betreiben“ heißt mit Greifvögeln zu jagen – „Falkner zu sein“ heißt Greifvögel zu verstehen

Roman Wüst

Falknerausbildung Roman Wüst

Die kulturelle Hochzeit der Falknerei in Europa lag aber im späten Mittelalter. Die höfische Falknerei in Frankreich, Spanien, Portugal erlebte ihren Zenit im späten Mittelalter und in der Renaissance. Das feudale Jagdwesen war bis zum Ende des 17. Jahrhunderts in fast ganz Europa (außer Skandinavien und der Schweiz) durch die Beizjagd geprägt und erlebte seine höchste Prachtentfaltung am Hofe Ludwig des Achtzehnten (1618-1648) in Frankreich.

Obwohl im 18. Jahrhundert das Interesse der Adligen immer mehr der Parforcejagd galt, betrieben einige deutsche Reichsfürsten, wie Kurfürst Clemens August von Köln, Markgraf Karl-Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach oder Landgraf Friedrich der Zweite von Hessen-Kassel immer noch aufwendige und kostenintensive Falkenhöfe.

Mit der französischen Revolution und der damit einhergehenden sozialen Umstrukturierung in ganz Europa wurde das feudale Jagdwesen und die Falknerei beendet.

Verschiedene Versuche Beizjagd als natur- und kulturhistorisches Gut, aber auch aus Jagdleidenschaft zu erhalten, scheiterten.

Erst im Mai 1923 gründeten verschiedene Ornithologen, Naturwissenschaftler und Naturinteressierte, wie Rens Waller, in Leipzig den Deutschen Falkenorden, der heute der älteste und zweitgrößte Falknerverband der Welt ist. Die Ziele des Deutschen Falkenordens sind bis zum heutigen Tag gleich geblieben und symbolisieren falknerische Ideologie. Neben dem Erhalt des kulturellen Erbes der Falknerei und einer waidgerechten Beizjagd, stehen die wissenschaftliche Greifvogelkunde und der Greifvogelschutz im Vordergrund.

Weitere Falknerverbände sind der Orden Deutscher Falkonäre (ODF), der sich als Fachverband für die Zucht, Haltung und Pflege heimischer Greifvögel versteht wie der Verband Deutscher Falkner (VDF), der 1990 als Vereinigung der Falkner der ehemaligen DDR entstand.

In einer Zeit, die geprägt ist durch Selbstverwirklichung und eine hohe moralische Wertvorstellung unserer Gesellschaft, gleichzeitig aber auch Beispiel ist für eine noch nie da gewesene Naturferne, sind viele Menschen von der Schönheit, Eleganz, Kraft und Archaik, der Greifvögel fasziniert.

Falknerei aber ist kein Hobby oder adliges Freizeitvergnügen, welches man einfach betreiben und wieder lassen kann, sondern eine Lebenseinstellung, die durch Fachwissen, Professionalität und Charakter getragen wird.

Falknerei repräsentiert jagdliche Leidenschaft in ursprünglicher Form

Wenn der Falkner im Rahmen der Ausübung der Beizjagd in die Interaktion mit dem Greifvogel eintritt, tut er mehr als im traditionellen Sinne zu jagen.

Es geht nicht alleine um das „materielle“ Beutemachen. Der Falkner will den Ablauf der Natur, den die Beizjagd bietet, erleben. Der wirkliche Falkner hat die Natur „erlernt“ und taucht in sie ein, ohne ihre Eigengesetzlichkeiten anzutasten, er erlebt sie.

Mein Ziel ist es, mit Greifvögeln zu jagen und in der Ausbildung von Falknern die Faszination der Falknerei und die dazu gehörende Fach- und Charaktereinstellung zu repräsentieren.

Roman Wüst

Falknerausbildung Roman Wüst